Unterschichtenfernsehen

Ja ich weiß, man soll sich nicht so aus dem Fenster lehnen mit alt hergekommenem Klassendenken, aber wenn ich so manche TV-Show pflichtkonsumieren muss, frage ich mich manchmal mehrere Dinge:

  1. Wer zur Hölle denkt sich so einen Schwachsinn aus?
  2. Wer ist verdammt nochmal für das Casting zuständig?
  3. Wieso lässt man sich zu so einem Kack als Darsteller überreden
  4. Warum tue ich mir das nur an?

Um was geht es überhaupt?

Es geht um Sendungen wie Frauentausch oder Männer allein daheim. Was ich diesem audiovisuellen Dünnpfiff zugestehen muss: Die Menschen sind authentisch. Wenn sie auch alle einen TOTALEN Dachschaden haben, sich so dermaßen peinlich aus Ihrem selbstverschuldeten Hartz IV Loch ans Tageslicht der Medienintelligenz zu trauen, sie sind ECHT und meinen, was sie sagen. Es ist nur der Faktor Fremdschämen, der hier zum Tragen kommt – mit einer gehörigen Portion Unverständnis.

Was aber nun wirklich GAR nicht mehr geht, sind Sendungen wie Abschlussklasse, Freunde das Leben beginnt – oder geht weiter… Entschuldigung. Alles was Recht ist, aber hier hört doch der Verstand, das Verständnis und der Sinn und Zweck der Unterhaltungsindustrie auf. Einer Horde wirklich fürchterlich zu schauspielern versuchende homini neandertali drückt man eine nicht minder große Anzahl an Digicordern in die Hand und sagt: Hier sind die Grundzüge eurer Charaktere, macht was draus.

Sendungslogo: Freunde, das Leben geht weiter

Sendungslogo: Freunde, das Leben geht weiter

Die würden sich, wenn sie genug Fell hätten wohl auch noch beim LAUSEN filmen. Mit unbeholfener Komik und noch peinlicheren Pseudo-Wutausbrüchen (von denen die meisten Folgen glaube ich massiv geprägt sind) versuchen sie sich von einer inhaltslosen Folge zur nächsten zu retten. Immer unterbrochen von kurzen Interview-Schnipseln, in denen sie unverschämt offen über die Intriegen und Probleme der anderen Mitmenschen tratschen.

Auch nett sind die in den Taschen versteckten Kameras, bei denen die Linsenöffnung Handflächen groß ist und die Tasche in JEDER VERFLUCHTEN SZENE so dermaßen auffällig unter die Achsel mit Blick nach oben geklemmt wurde, dass man nur noch müde lachen kann. Wenn wenigstens Sex oder Blut im Spiel wären – oder beides gleichzeitig – aber nein. Es ist der sinnfreie Hirnfick, den man so nicht mal im realen Leben abkriegt… unglaublich!

Quereinstieg unmöglich

Am schlimmsten an der Sache ist aber, dass ich diese Folgen nach dem Zufallsprinzip – völlig aus dem Zusammenhang gerissen – anschauen muss, ohne dass ich oder mein Mitschauer wissen, um was es bei all den Anspielungen “Wie konntest du das nur tun??? – WAS DENN!?!??!! o_O” eigentlich geht.

Unglücklicherweise verstrahlt VIVA mit diesem Affen-Belustigungsprogramm gleich in Doppelfolge, sodass nach der zweimillionenvierhunderachtundfünfzigsttausendsechshunderdreiunddreißigsten Wiederholung von Abschlussklasse 1975 auch gleich noch “Freunde – das Leben geht los” oder “Freunde, das Leben geht weiter” kommen. Welch erkenntnisreiche Sendungstitel, aber leider hat’s wohl doch keiner geschnallt. Sonst würden Sie sich längst um eine Ausbildungsstelle zum Heizungsmonteuer oder Müllabfuhrmitarbeiter kümmern und mit ihrem 3,9er Hauptschulabschluss machen, was sie sollten…

Ich brauch jetzt erstmal ne Folge Lindenstraße, um wieder runterzukommen…

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3 Responses to Unterschichtenfernsehen

  1. schnako says:

    *lol*

    Das ist genau die Art von Lektüre, die ich in einer Schaffenspause zum Kaffee brauche :D

    Weiter so!

  2. famousblogauthor says:

    Rico, ich möchte dir kurz dafür danken, dass du dir die Zeit nimmst diese Sendungen anschauen. Bitte halte uns weiter auf dem Laufenden, welche Sendungen nur für Blog-Autoren und Unterschichten interessant sind.

  3. rizi says:

    HEEEY – das ist doch Sarkasmus!! *g*

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